
Von Malte Nelles
Wenn wir auf die öffentlichen Diskurse unserer Zeit schauen, werden Historiker hierüber vielleicht einmal milde lächeln. Eine Antwort auf die Strukturprobleme der deutschen Volkswirtschaft soll in gewaltigen Investitionen in die Aufrüstung des Landes liegen. Als größte Gefahr für Sicherheit und Wohlstand wird ein potenzieller Krieg mit Russland ins Feld geführt. Ein großer Teil von Medien und Politik wirkt an der Hysterisierung mit, die das politische Bewusstsein des Landes wieder in die gestrigen Schablonen des Kalten Krieges einspannt.
Die Zeitenwende zur Herrschaft der Künstlichen Intelligenz
Über all dem liegt das Wort, das vielleicht als einziges Vermächtnis von einem ansonsten eher wortkargen Ex-Kanzler bleibt: Wir befinden uns in einer „Zeitenwende“. Dieser sprechende Begriff wird vielleicht in nur wenigen Jahren unfreiwillig prophetisch erscheinen, allerdings nicht im gemeinten Sinne der Rückwärtsrolle in eine Aufrüstung im nostalgischen Stil des 20. Jahrhunderts. Die Freud’sche Fehlleistung der „Zeitenwende“ liegt darin, dass sie sich auf das kleine, übersichtliche Terrain des Hier und Jetzt bezieht, aber mitnichten jene geschichtlich-technologische Entwicklung begreift, die schon bald herrschen wird und von der die meisten von uns bereits verwundert Zeuge wurden.






































In dieser Monats-Serie teilt Wilfried Nelles in Form von kurzen Geschichten und Aphorismen Einsichten, die ihm plötzlich zugefallen sind. Er hat sie aufgeschrieben und so gelassen, wie sie sich beim ersten Mal quasi von selbst geschrieben haben. Dazu gehören auch Gedankensplitter zu aktuellen Themen, wenn sie sich zu einem kurzen Text verdichtet haben. Wir werden in der ersten Woche jeden Monats einen kurzen Text und/oder einige Aphorismen veröffentlichen – so lange der Vorrat reicht.




















