BIP

Beziehungsintegrationsprozess

Der Beziehungsintegrationsprozess (BIP) ist ein praktisches orientiertes Modell für das Wirken von Lebenskräften in Paarbeziehungen und ein Aufstellungsverfahren, mit dem Menschen sich dieser Wirkkräfte in ihrer Paarbeziehung bewusst werden können.

Dem BIP liegt eine Matrix zu Grunde, die wesentliche Erkenntnisse aus verschiedenen Traditionen der Paartherapie, Psychologie und Aufstellungsarbeit (z.B. dem LIP, der Differenzierungstheorie, der jungianischen Psychoanalyse und der humanistischen Psychologie) in einem schlanken Modell zusammenfasst. Die Grundidee liegt darin, das Geschehen in Paarbeziehungen als Wechselspiel zwischen polaren Lebenskräften zu begreifen. Hierbei begegnen wir zwei Gegensatzpaaren, die die Liebe und Beziehungskultur von zwei Menschen prägen.

Lebensgeschichte und Potential

Kein Mensch kommt als unbeschriebenes Blatt in eine Beziehung, sondern bringt, ob er möchte oder nicht, seine Familien-und Lebensgeschichte mit ein sowie die Prägungen der Zeit, in der er aufgewachsen ist. Dies schließt unsere Bindungserfahrungen in unserer Herkunftsfamilie, Traumata, Erfahrungen aus vorangegangenen Liebesbeziehungen uvm. ein. Neben dem Schmerzhaften, was uns geprägt hat, sind hierin auch alle positiven Erfahrungen eingeschlossen, die wir in das Leben unserer heutigen Beziehung einbringen.

Doch ein Mensch ist mehr als das Resultat seiner Lebensgeschichte. Jeder Mann und jede Frau ist nicht nur genetisch, sondern auch charakterlich einzigartig und trägt damit ein unverwechselbares Potential, eine sich in die Zukunft orientierende innere Kraft in sich. Subjektiv erfahren wir diese Kraft in Form von Sehnsucht, innerer Orientierung und fortwährenden seelischen Wandlungsprozessen.

In einer Paarbeziehung begegnen sich damit zwei Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und unterschiedlichen persönlichen Potentialen. Im BIP werden diese von entsprechenden Stellvertretern aus der Gruppe repräsentiert.

Individualität und Zusammensein

Jeder Mensch in einer Paarbeziehung steht vor dem unlösbaren Konflikt zwischen dem Wunsch nach dem Zusammensein mit dem Partner und dem gleichzeitigen Bedürfnis, man selbst zu bleiben. Jede Paarbeziehung findet auf diesen Nähe-Individualität-Konflikt eine eigene Antwort, die das Beziehungsgeschehen und die Weise, wie sich die Partner hierin erfahren, tief prägt.

Und wie die Partner in der Beziehung eine einzigartige Lebensgeschichte und ein unverwechselbares Potential in sich tragen, so hat auch jede Paarbeziehung eine gemeinsame Geschichte und ein in sich wirkendes Potential, die ihr ihren einzigartigen Charakter gibt.

Im BIP arbeiten wir hierfür mit Stellvertretern für die Geschichte des Paares und dem gemeinsamen Potential. Hierin sind etwa all die prägenden Fragen des Zusammenkommens des Paares aufgehoben, Krisen der Beziehung, die einende Erfahrung der Elternschaft oder der Wunsch, gemeinsame Kinder zu haben, und schließlich das Spüren der Liebe, die zwei Menschen zusammenhält oder die sie schmerzhaft miteinander vermissen.

Das Aufstellungsformat des BIP in grafischer Darstellung*

*die Partner in der Grafik sind der Einfachheit halber im Modell als Mann und Frau dargestellt, der Prozess lässt sich aber ebenso mit homosexuellen Paaren durchführen.

Die Praxis des BIP

Der BIP folgt nicht dem Ziel, Konflikte zu lösen oder Unterschiede zwischen den Partnern einzuebnen, sondern dient ausschließlich und konsequent dem wahrhaftigen Einander Sehen der Partner. Heilende, verbindende oder versöhnende Wirkungen stellen sich nicht selten als indirekte Nebenwirkungen ein.

In der bisherigen Praxis wurde mit dem BIP mit Paaren und Einzelpersonen in Paarbeziehungen, mit Singles, die ihre Beziehungsmuster erkennen möchten, mit heterosexuellen und homosexuellen Paaren und in verschiedenen Kulturen gearbeitet.

Für weitere Informationen finden Sie hier einen Aufsatz zum BIP und ein längeres Interview mit Malte Nelles hierzu.