Aphorismen

Aphorismen und Lebensbetrachtungen

In dieser neuen Monats-Serie teilt Wilfried Nelles in Form von kurzen Geschichten und Aphorismen Einsichten, die ihm plötzlich zugefallen sind. Er hat sie aufgeschrieben und so gelassen, wie sie sich beim ersten Mal quasi von selbst geschrieben haben. Dazu gehören auch Gedankensplitter zu aktuellen Themen, wenn sie sich zu einem kurzen Text verdichtet haben. Wir werden in der ersten Woche jeden Monats einen kurzen Text und/oder einige Aphorismen veröffentlichen – so lange der Vorrat reicht.

 

September 2020
Akademische Psychologie

Die akademische Psychologie beschäftigt sich weitestgehend mit erlerntem Verhalten, damit, wie Menschen auf äußere Reize reagieren. Da diese Reaktion im Gehirn entsteht, beschäftigt sie sich mit dem Gehirn und dem Verstand. Auch hoch emotionales Verhalten wird als erlerntes Reaktionsmuster des Verstandes angesehen, studiert und therapiert.

Soweit es um reaktives Verhalten geht, ist dieser Ansatz vollkommen angemessen. Die Frage ist nur: Ist alles menschliche Handeln erlernt? Ist es immer eine Reaktion auf einen äußeren Reiz? Oder gibt es auch spontanes, unverursachtes Handeln?

 

August 2020
Das Leben geschehen lassen

Das Leben geschehen lassen bedeutet einfach, sich vom Leben selbst bewegen zu lassen. Das ist auch wirkliches Loslassen. Was loszulassen ist, ist vor allem die Idee, das Leben und, vor allem, sich selbst seinen eigenen Vorstellungen entsprechend gestalten und kontrollieren zu können (zu müssen).

Dazu muss man das Tun aufgeben – und all seine Werte und Ideale. Denn sie und unser eigenes Tun stehen der Bewegung des Lebens selbst im Weg, sie be- oder verhindern sie.

Das Tun besteht darin, sich der natürlichen Bewegung des Lebens zu verschließen oder sich dagegen wenigstens innerlich zu schützen (defensive Seite) und / oder sich permanent um die Verwirklichung seiner Ziele und Ideen zu bemühen.

Mit den Idealen halten wir das Leben selbst von uns fern. Wenn etwas nicht „meinen Werten“ entspricht, gehört es durchaus zum Leben, und zwar genauso voll und berechtigt, wie „meine Werte“. Für „wertegebundene“ Menschen ist das wirkliche Leben eine ständige Störung.

Das Lassen muss man durchaus auch wollen, man muss sich den Kräften des Lebens, wie sie in unserer jeweils eigenen Natur und Gestalt zum Ausdruck kommen wollen, bereitwillig und offen überlassen. Dieses Aufgeben aller Kontrolle ist das einzige, was man wollen muss.

 

Juli 2020
Junge oder Mädchen?

Wenn ein weiblicher Embryo zwei Monate alt ist, wachsen in ihm die Eizellen, aus denen später, wenn sie befruchtet worden sind, neue Menschen entstehen können. Wenn er fünf Monate alt ist, sind alle Eizellen fertig. Etwa vier Monate später erblickt dieses Kind das Licht der Welt, und es hat den Körper eines Mädchens, aus dem später eine Frau wird.

Warum ich dies schreibe?
Weil uns heute erzählt wird, das man nicht als Frau geboren, sondern (von der Gesellschaft) dazu gemacht wird, und manche jungen Frauen dies glauben und meinen, sie hätten einen falschen Körper und könnten Männer werden.

Was war vorher da? Unser Körper oder unser Denken?

 

Juni 2020
Leben und Tod

Das Leben geschieht
… wann es will, wo es will, wie es will, wie lange es will.

Niemand macht sein Leben, niemand gestaltet es. Das Leben gestaltet dich, es formt dich.

Es lebt auch niemand sein Leben – das Leben lebt sich selbst durch dich.

Wir werden geboren, um zu sterben.
Wir sterben, damit neues Leben entstehen kann.

Das Leben ist Bewegung. Wohin? Zum Tod.
Der Tod macht das Leben lebenswert.
Leben und Tod sind Eins – Erscheinungen des Einen.